Wenn Parasiten unseren Hunden das Herz schwer machen | Fachartikel

Herz-Lungen-Würmer – dahinter verbergen sich recht verschiedene Fadenwürmer (Nematoden), die eine Vorliebe für Herz und Lunge als Zielorgane verbindet. Dennoch wird diesen Erregern in der Differentialdiagnostik respiratorisch-kardiovaskulärer Beschwerden viel zu wenig Beachtung geschenkt. Insbesondere aber bei der Aufarbeitung unspezifisch leistungsinsuffizienter Patienten werden sie häufig vergessen.

Ich sehe was, was du nicht siehst…

Die geografische Ausbreitung der Parasiten und die steigende Zahl von Hunden mit Reise- oder Import-Anamnese, treiben die Prävalenzen von Lungenparasitosen in die Höhe. Da die Infizierten häufig keine oder nur diffuse Allgemeinsymptome zeigen, ist von einer großen Dunkelziffer nicht erkannter Herz- oder Lungenwurm-Träger auszugehen. Dabei sind eine geschickte Wahl von Probenmaterial und Testverfahren, sowie der Zeitpunkt der Testung, genauso entscheidend für die Diagnosestellung, wie die Idee, überhaupt auf Herz-Lungen-Parasiten zu testen!

Kann ich mich bei meinem Hund anstecken?

Eine wichtige Parallele zwischen Herzwürmern (Dirofilaria immitis) und Lungenwürmern (in erster Linie Angiostrongylus vasorum) ist ein obligatorischer Wirtswechsel, der für ihren vollständigen Entwicklungszyklus unverzichtbar ist. Glücklicherweise ist daher eine direkte Haustier-Besitzer-Übertragung unter Umgehung des Zwischenwirtes nicht möglich.

Stechmücken sind lästig – und im Urlaub bedeutsame Krankheitsüberträger!

Für Dirofilarien-Larven ist der Stich des Zwischenwirtes (Culiciden) die Gelegenheit, direkt in den Endwirt zu gelangen. Im Körper des Hundes folgt eine monatelange Wanderung der jugendlichen Herzwürmer durch das Bindegewebe, bis sie schließlich die Lungenarterien erreichen. Dort reifen sie zu adulten Makrofilarien, die etwa ein halbes Jahr nach der Infektion, Mikrofilarien in die Zirkulation freigeben. Diese gehen bei der Blutmahlzeit wieder in eine Stechmücke über.

Schnecken gehören nicht auf den Speiseplan

Lungenwurmlarven erreichen ihren caninen Endwirt über den Verzehr infizierter Zwischenwirte (Mollusken). Für die Parasiten ebenso erfolgreich sind indirekte Wege, wie beispielsweise die Aufnahme paratenischer Wirte (z.B. Amphibien), von mit Schneckenschleim behafteter Pflanzen oder das Trinken aus kontaminierten Pfützen. Nach der Invasion des neuen Wirtes migrieren die Larven in die Lungengefäße. Dort beginnen die geschlechtsreifen Weibchen etwa sechs Wochen nach der Infektion mit der Eiablage. Nach dem Schlupf treten die Larven in die Alveolen ein. Durch den Hustenreiz gelangen sie in den Rachen, werden abgeschluckt und schlussendlich mit dem Kot in die Umwelt ausgeschieden- bereit, um vom nächsten Zwischenwirt aufgenommen zu werden. 

Wann muss ich an Herz-Lungen-Würmer denken?

Der klassische, an verminöser Pneumonie erkrankte Patient wird mit respiratorischen Beschwerden vorgestellt. Eine Leukozytose mit Eosinophilie weist bereits auf eine parasitäre Infektion hin. Typische radiologische Befunde sind eine Vergrößerung des rechten Herzens und eine erhöhte perivaskuläre Lungendichte mit Verlust der baumartigen Gefäßverzweigung in den kaudalen Lungenlappen. Schwere Fälle gehen mit Aszites, Hepatomegalie und Pleuraerguss einher. Finden sich in der Echokardiografie Makrofilarien als parallele Doppelechos im Truncus pulmonaris, drängt sich die Diagnose dem glücklichen Tierarzt förmlich auf. 

Und wann darf ich den Test auf Herz-Lungen-Würmer nicht vergessen?

Mehr Phantasie braucht es bei betroffenen Hunden, die mit uncharakteristischen Symptomen wie Leistungsschwäche, Anorexie und Kachexie vorstellig werden. Auch das Standard-Laborprofil liefert nicht zwingend zielführende Hinweise auf die Erkrankungsursache (z.B. Anämie, Thrombopenie, Azotämie, Hyperglobulinämie, Proteinurie). Ein geeigneter Test auf kardiovaskuläre Parasiten sollte daher Eingang in die Routineabklärung solcher Patienten finden. 

Diagnostik – Wer, Wie, Was?

Ein Dirofilarien-Check ist bei allen Hunden nach Aufenthalt in Endemiegebieten indiziert. Er ist allerdings erst 6 Monate nach der Einreise aussagekräftig. Antigen-Schnelltests auf Makrofilarien (SNAP®4Dx®, Fa. IDEXX) zeigen eine patente Infektion zuverlässig an. Sie eignen sich sowohl für das Infektions-Screening als auch zur Diagnostik symptomatischer Patienten. 

Ein Test auf heimische Herz-Lungen-Würmer ist bei Erkrankungsverdacht zu jeder Zeit sinnvoll. Hierfür bieten sich zwei gleichermaßen praktikable Methoden an: Das Trichter-Auswander-Verfahren aus frischen 3-Tage-Sammelproben ist die gängigste Variante. Schneller ist der Nachweis mit einem Bluttest auf Angiostrongylus vasorum (z.B. SNAP Angio Detect®, Fa. IDEXX). Die Standard-Kot-Flotation erfasst Lugenwurm-Larven nicht zuverlässig.

Vorsicht vor Komplikationen während der Therapie!

Ist die Dirofilariose diagnostiziert, beginnt die Therapie zunächst mit einer Reduktion der Mikrofilarien durch monatliche Gabe von makrozyklischen Laktonen (Milbemycin, Moxidectin, Selamectin). Nach 6 Monaten folgt Melarsomin zur Elimination der Makrofilarien. Dieses zweistufige Protokoll, in Verbindung mit einer strikten Ruhighaltung des Patienten, verringert das Risiko von Lungenembolien. Ein Antigentest überprüft ein halbes Jahr nach dem Absetzen der Medikamente den Therapieerfolg. Eine weitere, interessante Variante besteht im Einsatz von Doxycyclin in der ersten Therapie-Stufe: Die Beseitigung von Wolbachia spp. (intrazelluläre symbiontische Bakterien), schwächt die Dirofilarien-Reproduktion erheblich und dezimiert damit die Zahl zirkulierender Larven.

Lungenwürmer können ebenfalls mit makrozyklischen Laktonen (zweimal in 7 Tagen) oder Benzimidazolen (Fenbendazol, täglich über mindestens 5 Tage) behandelt werden. Hierbei sollten die Patienten 3 Tage ruhig gehalten werden. Der Therapieerfolg kann nach 3 Wochen mittels Kotuntersuchung oder nach 6 Wochen per SNAP-Test überprüft werden.

Reise-Prophylaxe von Herzwurmerkrankungen bedeutet Vor- und Nachsorge!

Besucht ein Hund ein Endemiegebiet (April – Oktober: Mittelmeerraum; ganzjährig: Kanaren), ist ein doppelter Schutz erforderlich: Vorsorglich schützen Repellentien und der Verzicht auf Außenaktivitäten in den Abendstunden vor Moskitos. Zusätzlich verhindert die monatliche Behandlung mit makrozyklischen Laktonen (ab Beginn der Exposition bis einen Monat nach Ende des möglichen Kontakts) die Wanderung von Mikrofilarien zu den Zielorganen.

Da sich Hunde auch in der Heimat bei jedem Freigang mit Lungenwurmlarven infizieren können, helfen regelmäßige Wurmkuren, das Einsammeln von Hundekot und vollumfängliche Kotuntersuchungen, eine klinisch manifeste Angiostrongylose zu verhindern. 

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!

Untermietern im Gefäßsystem unserer Hunde kann mit konsequenter Vorsorge im Alltag wie auf Reisen, cleverer Diagnostik und gezielter Therapie, Einhalt geboten werden – das schützt den individuellen Patienten und die Population vor einer weiteren Ausbreitung dieser Erreger.

 

//SSC

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BARF – eine Herausforderung für Tierbesitzer und Tierärzte | Fachartikel

BARF (Bones And Raw Foods) steht für biologisch artgerechte Rohfütterung und erfreut sich seit Jahren wachsender Beliebtheit bei Tierhaltern. Eine Fütterungsform mit Vor- und Nachteilen. Der Wunsch, Hund oder Katze möglichst natürlich und gesund zu ernähren, macht Barfen zu einem emotionalen Thema. Wir Tierärzte sollten die Besitzer vertrauensvoll beraten und gleichzeitig für die Risiken sensibilisieren können.

„Mir ist wichtig, dass wir als Tierärzte über die Risiken aufklären, aber nicht verurteilen. Häufig liegt ja der Wunsch zugrunde, nur das Beste für sein Tier zu wollen.“ (Tierärztin & Haustier-Ernährungsexpertin Susanne Scherber)

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Wie viel Wolf steckt noch im Hund?

Nach über 10.000 Jahren Domestikation haben sich Anatomie, Lebensweise und Ernährungsphysiologie angepasst. Hunde haben einen geringeren Energiebedarf als ihre Vorfahren. Das Zusammenleben mit dem Menschen führte zudem zu einer höheren Genexpression und Aktivität von Amylase. Dies macht auch Stärke für Hunde verwertbar. Der carnivore Wolf hat sich zu einer carni-omnivoren Art entwickelt.

Die Ernährungsweise des Wolfes lässt sich daher nicht komplett auf den domestizierten Hund übertragen. Dem wild lebenden Wolf sichert die unregelmäßige Nahrungsaufnahme nach kräftezehrender Jagd lediglich das Überleben und letztlich den Fortbestand der Art. Im Gegensatz dazu können wir unseren Hunden ein möglichst langes und gesundes Leben durch optimale Ernährung ermöglichen.

Stolpersteine in der Zusammensetzung

Für eine bedarfsdeckende Ration sollte ein Experte zurate gezogen werden. Über- oder Unterversorgung manifestieren sich längerfristig zu gravierenden Gesundheitsschäden und bei Welpen zu irreparablen Entwicklungsstörungen.

Die BARF-Ration besteht aus rohem Fleisch, Innereien, rohen fleischigen Knochen und wenigen pflanzlichen Anteilen. Sie soll die natürliche Beute von Wölfen nachbilden. Während der Wolf seine Beutetiere buchstäblich mit Haut und Haaren verschlingt, stehen uns nur wenige Teile von Schlachttieren zur Verfügung. Essenzielle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente müssen für eine bedarfsdeckende Ration supplementiert werden. Nachfolgend einige Beispiele häufiger Fehlversorgungen:

Jod ist für die Schilddrüsenfunktion und den gesamten Stoffwechsel essenziell. Gängige Jodquellen sind Seealgen und einige Fischarten. Vorsicht bei der Fütterung von Schlundfleisch mit Schilddrüsengewebe, die enthaltenen Hormone führen zu einer alimentären Hyperthyreose.

Vitamin D ist unter anderem am Knochenstoffwechsel beteiligt. Ein Mangel führt beim Jungtier zu Rachitis, beim adulten Tier zu Osteomalazie. Anders als der Mensch können Hunde und Katzen kein Vitamin D mithilfe von Sonnenlicht bilden. Der Bedarf muss vollständig über die Nahrung gedeckt werden. Gut eignen sich hierfür Lebertran, Eigelb und Fisch.

Ebenfalls essenziell für den Knochenstoffwechsel sind die Mineralstoffe Calcium und Phosphor. Ein Mangel im Wachstum führt zu bleibenden Schäden an Knochen und Gelenken. Beim adulten Tier verursacht Calciummangel eine Demineralisierung der Knochen. Überversorgung begünstigt wiederum Nierenerkrankungen und hemmt die Aufnahme anderer Nährstoffe wie Kupfer und Zink. Da der Calciumgehalt in Schlachttierknochen schwanken kann, ist eine Versorgung über Knochenfütterung nicht sicher kalkulierbar.

Verträglichkeit und Risiken der Knochenfütterung

Ein häufig genannter Vorteil von BARF ist eine bessere Verträglichkeit und gesunde Verdauung. Jedoch haben Pansen, Blättermagen und einige Innereien wie Lunge und Euter durch ihren hohen Bindegewebsanteil eine schlechte Verdaulichkeit und können Probleme verursachen.

Ein hoher Knochenanteil der Ration führt häufig zu Bildung von Knochenkot und Verstopfungen. An massiven Röhrenknochen kann sich der Hund außerdem Zahnfrakturen zuziehen und Splitter gekochter Knochen können ernsthafte Verletzungen im Maul oder Magen-Darm-Trakt verursachen.

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Dann doch lieber ein Fertigmenü?

Richtig Barfen ist fehleranfällig, kosten- und zeitintensiv. Eine bedarfsdeckende Ration variiert je nach Alter, körperlicher Aktivität und Gesundheitszustand. Die Rationserstellung erfordert Fachwissen in Tierernährung und Futtermittelkunde. Sie sollte daher durch einen Ernährungsspezialisten erfolgen. Bei Welpen und Jungtieren bis zum sechsten Lebensmonat muss die Ration zudem monatlich überprüft und angepasst werden.

„Barfen ist nie einfach, wenn man es richtig macht.“ (Tierärztin & Haustier-Ernährungsexpertin Susanne Scherber)

Wer diesen Aufwand scheut, greift gern zu bequemen BARF-Fertigmenüs. Diese wirken wie ein bedarfsdeckendes Alleinfuttermittel, sind jedoch meist unausgewogen und es fehlen essenzielle Nähr- und Mineralstoffe. Auch Rezepte aus dem Internet und Komplettmischungen von Vitaminen und Mineralstoffen sollten kritisch geprüft und gegebenenfalls für das eigene Tier angepasst werden.

Eine Frage der Hygiene

BARF birgt auch ein gewisses Gesundheitsrisiko für Tiere und Menschen. Über die Rohfleischfütterung können Hund und Katze eine Vielzahl von Bakterien und Parasiten aufnehmen und verbreiten, darunter auch humanpathogene Erreger. Wichtig im Umgang mit Rohware ist daher ein Höchstmaß an Hygiene sowie eine ununterbrochene Kühlkette bis in die heimische Küche.

Untersuchungen von BARF-Menüs, unter anderem durch die Stiftung Warentest und die Universität Zürich, wiesen mehrfach erhöhte Keimzahlen auf. Darunter auch multiresistente Keime (MRSA). So wurden sowohl in BARF-Produkten als auch den Ausscheidungen gebarfter Tiere wiederholt Salmonellen, Enterobakterien, Yersinia und Campylobacter spp. nachgewiesen.

Rohfleisch und Innereien können außerdem für Menschen und Tiere infektiöse Parasitenstadien von Toxocara spp., Toxoplasma gondii und Echinococcus granulosus enthalten. Auch kommt es durch Ausscheidungen von Taenia spp., Neospora caninum und Sarcocystis spp. zur Kontamination von landwirtschaftlichen Nutzflächen und Futtervorräten.

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Fazit

Eine bedarfsdeckende BARF-Ration erfordert Fachwissen und verschiedene Krankheitserreger im Rohfleisch bergen ein gesundheitliches Risiko für Mensch und Tier. Für die Tierhalter ist die Ernährung jedoch ein emotionales Thema, sie wollen ihre Schützlinge optimal versorgt wissen. Tierärzte haben die heikle Aufgabe, ihre Kunden vorurteilsfrei über Gefahren und Risiken aufzuklären.

 

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Cats are special | Fachartikel

In deutschen Haushalten werden etwa 15 Millionen Katzen gehalten und inzwischen sind weltweit über 50 Katzenrassen bekannt. Doch alle unsere Hauskatzen sind noch eng mit ihren Vorfahren verwandt und bezüglich Ernährung und Verhalten hoch spezialisiert. Die professionelle Ernährungsberatung bezieht neben der besonderen Physiologie von Katze stets die Lebensbedingungen mit ein.

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Wichtige Bestandteile katzengerechter Ernährung

Das Verdauungssystem unserer Hauskatzen ist noch stark an die Ernährungsweise ihrer Vorfahren adaptiert: Die afrikanische Wildkatze wurde vor etwa 10.000 Jahren hauptsächlich als Mäusefänger domestiziert. Diese Tiere leben in trockenen Savannen- und Steppenlandschaften und ernähren sich hauptsächlich von Nagetieren und anderen kleinen Wirbeltieren.

Folglich sind Katzen obligate Fleischfresser, ihr Energiestoffwechsel basiert auf Gluconeogenese aus Aminosäuren. Entsprechend muss die Nahrung einen hohen Protein- und moderaten Fettgehalt aus tierischen Quellen aufweisen. Da pflanzliche Proteine und Kohlenhydrate nicht oder kaum verwertet werden können, ist eine vegetarische oder vegane Ernährung nicht artgerecht. Trockenfutter sollte nur zugefüttert werden, da es produktionsbedingt zu viel pflanzliche Kohlenhydrate und Energie enthält.

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Da die Katze Vitamin A und Taurin nicht (ausreichend) selbst bilden kann, müssen diese über Fisch, Fleisch und Innereien wie Herz und Leber aufgenommen werden. Ein hoher Bedarf besteht auch an der essenziellen Aminosäure Arginin und der essenziellen Fettsäure Arachidonsäure aus tierischem Gewebe.

Katzen haben natürlicherweise kein ausgeprägtes Trinkbedürfnis, ihr Flüssigkeitsbedarf wird hauptsächlich über die Nahrung gedeckt. Eine unzureichende Wasserzufuhr, etwa durch überwiegende Trockenfuttergabe, kann zu Nieren- und Harnwegserkrankungen führen. Zur ausreichenden Wasseraufnahme können viele Katzen durch fließendes Wasser, etwa aus einem Trinkbrunnen animiert werden.

Wie sieht die optimale Fütterung aus?

Nicht nur die Zusammensetzung des Futters ist entscheidend. Auch die Menge und Art der Fütterung ist ein wesentlicher Bestandteil der Ernährungsberatung. Die wenigsten Katzen sind heute auf Selbstversorgung durch Jagd angewiesen. Ein häufiges Problem, besonders bei Wohnungskatzen ist daher die Überfütterung.

Natürlicherweise nehmen Katzen über den ganzen Tag viele kleine Mengen zu sich. Eine artgerechte Mahlzeitenfrequenz mit vielen kleinen Portionen kann bei Abwesenheit durch Futterautomaten erleichtert werden. Ein bequemes Ad libitum-Angebot von Trockenfutter führt aufgrund des hohen Energiegehalts schnell zu Überversorgung.

Fachartikel Cats Are Special Artikel Body - Activity Feeding

Activity-Feeding kann zur artgerechten Katzenfütterung beitragen. Hier muss sich die Katze durch den geschickten Einsatz von Pfoten und Zunge das Futter erarbeiten. Das macht die Nahrungsaufnahme abwechslungsreicher und das Tier kann gleichzeitig seinen natürlichen Jagd- und Spieltrieb ausleben. Fummelbretter, Snackbälle und Pipolinos sind im Handel erhältlich oder können zum Beispiel aus Papierrollen selbst gebastelt werden.

Ernährungsberatung ist Haltungsberatung

Eine umfassende Ernährungsberatung berücksichtigt nicht nur die Rationszusammenstellung und Fütterungsweise. Die individuelle Haltung des Patienten muss ebenfalls einbezogen werden. Zur Beratung wird daher eine eingehende Anamnese erhoben. Woher stammt das Tier und wie lebt es? Hat die Katze Freigang oder wird sie ausschließlich in der Wohnung gehalten? Wie sieht der Alltag der Katze aus, welche Bewegungs- und Rückzugsmöglichkeiten hat sie?

Hauptproblem bei Indoorhaltung ist Übergewicht durch Bewegungsmangel. Eine artgerechte Wohnungshaltung ermöglicht dem Stubentiger ausreichend Bewegungsmöglichkeiten. Ein gut befestigter Kratzbaum bietet neben Kratz- und Klettermöglichkeiten auch Ruheplätze. Zusätzliche Katzenbrücken und Bretter, in verschiedenen Höhen angebracht, erweitern das Territorium für die Katze in die dritte Dimension.

Fachartikel Cats Are Special Artikel Body - Bewegung

Nicht zuletzt gehören auch Harn- und Kotabsatz zur Ernährungsberatung. Das Toilettenmanagement ist für reine Wohnungskatzen besonders wichtig. Als Faustregel gilt „1 Katzentoilette pro Tier + 1“ als minimale Anzahl. Drei Katzen benötigen demnach mindestens vier Toiletten. Diese sollten im Haushalt verteilt und nicht in der Nähe von Futter- und Schlafplätzen stehen. Der Tiergröße angepasste Toiletten ohne Deckel sind vorzuziehen.

Fazit

Falsche Ernährung von Katzen kann zu einer Vielzahl von Erkrankungen beitragen. So sind Über- und Untergewicht, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen oder Erbrechen und Durchfall häufige Folgen falscher Fütterung und/oder Haltung. Futter- und Fütterungsoptimierung unterstützen sowohl die Behandlung als auch Vorbeugung von Erkrankungen. Diese sollte von einem Experten für Tierernährung begleitet werden und stets auch die individuelle Lebensweise des Patienten berücksichtigen.

//INL

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Adipositas bei Hunden und Katzen | Fachartikel

In Deutschland sind mehr als die Hälfte der Hunde und Katzen übergewichtig. Adipositas wird als übermäßige Fettansammlung des Körpers definiert. Die Ursache liegt klar auf der Hand, die Tiere nehmen mehr Energie auf, als sie verbrauchen. Maßgeblich beteiligt sind daran die Tierbesitzer:innen, die das satte Haustier als rund und glücklich empfinden. Doch diese falsche Fürsorge kann zu massivem Übergewicht führen, lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen und die Lebensqualität von Hunden und Katzen deutlich beeinträchtigen. Wir Tierärzte müssen aufklären und den Tierhaltern konkrete Tipps an die Hand geben.

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Ursache

Eine Gewichtszunahme kommt immer schleichend und in den wenigsten Fällen sind die Tierbesitzer der Meinung, dass ihr Hund oder ihre Katze zu dick ist. Falsche Fütterungsgewohnheiten und bestimmte Verhaltensmuster beschleunigen die Entwicklung von Adipositas. 

Adipositas ist ein pathologischer Zustand und wird hervorgerufen durch ein Ungleichgewicht von Energieaufnahme und Energieverbrauch. 

Die Ursachen warum der Hund oder Katze an Gewicht zunehmen, sind vielfältig. Meist wird zu viel Futter oder Futter mit hoher Energiedichte gefüttert. Vielen Tieren werden zusätzlich Essensreste oder Leckerlis zwischen den Fütterungszeiten gegeben, ohne zu wissen, dass es sich um echte Kalorienbomben handelt. 

Zu einer positiven Energiebilanz kommt es auch, wenn mehrere Personen im Haushalt leben, die das Tier ohne Absprache füttern. Manche Hunde und auch Katzen betteln um Futter, entweder aus Langeweile oder auch aus dem Grund, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Der Tierbesitzer hat seinem Vierbeiner somit unbewusst das Betteln nach Essen angewöhnt.  

Neben dem zu viel an Futter beeinflussen verschiedene zusätzliche Faktoren die Entstehung von Adipositas bei Hunden und Katzen: 

  • Genetische Faktoren
  • Reduzierter Energiebedarf (Kastration, Alter (Hd.))
  • Weniger Bewegung (OP, Leinenzwang etc.)
  • Geschlecht
  • Krankheiten (z.B. Morbus Cushing, Schilddrüsenunterfunktion, eine Fehlfunktion des Hypothalamus)
  • Medikamente (z.B. Glukokortikoide)

Diagnose

Wird der Hund oder die Katze aufgrund von Adipositas dem Tierarzt vorgestellt, müssen anhand einer ausführlichen klinischen Untersuchung potenziell assoziierte Erkrankungen identifiziert werden. 

Der Grundstein für die Gewichtsreduktion bei Adipositas wird gelegt, sobald der Besitzer davon überzeugt ist, dass sein Tier abnehmen muss. 

Mit Hilfe des Body Condition Score (BCS), der das Schlüsselelement zur Beurteilung des Adipositas Grades ist, kann dem Besitzer die Körperkondition seines Tieres dargestellt werden. 

Zur Bestimmung des BCS gehören die Tastbarkeit der Rippen und die Sichtbarkeit der Taille, von oben betrachtet. Zudem muss das Körpergewicht des Tieres ermittelt werden.

Bei ideal gewichtigen Hunden und Katzen (BCS 5) sind die Rippen und die Wirbelsäule nicht sichtbar und mit mäßigem Druck leicht tastbar. Die Taille soll von oben betrachtet, gut zu erkennen sein und die Bauchlinie ansteigend verlaufen. 

Man spricht von einer beginnenden Adipositas ab 10% über dem Idealgewicht. Eine manifeste Adipositas liegt bei über 20% des Idealgewichts vor.

Das Ergebnis des BCS stellt die Gesprächsgrundlage mit dem Besitzer dar und ist von großer Bedeutung. Dieser sollte behutsam auf die Notwendigkeit der Gewichtsreduktion vorbereitet werden, dann ist er schneller bereit, am Gesundheitszustand seines Tieres etwas zu verändern und zu verbessern.

Dem Tierbesitzer muss klar gemacht werden, dass Adipositas die Lebenszeit des Tieres verkürzt, aber auch Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Arthrose durch Belastung des Bewegungsapparates, Lebererkrankungen, Hautkrankheiten und auch Störungen des Immunsystems bewirken. Für übergewichtige Hunde und Katzen besteht ein erhöhtes Narkoserisiko.

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Behandlung

Im Vordergrund der Behandlung von Adipositas stehen zuerst die Folgeerkrankungen wie z.B. die Arthrose oder Herz- Kreislauferkrankungen. Ist der Gesundheitszustand stabil, kann das Tier an Gewicht verlieren.

Eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung von Übergewicht spielt die wöchentliche Gewichtskontrolle. Hierbei muss das Körpergewicht des Tieres immer zum selben Zeitpunkt mit der gleichen, bestenfalls geeichten Waage, ermittelt werden.

Damit bei übergewichtigen Patienten das Körpergewicht reduziert wird, muss zuerst der individuelle Energiebedarf des Hundes oder der Katze bestimmt werden. Danach wird die Futtermenge auf 60% – 80 % der bisherigen Energiezufuhr reduziert. Dabei ist auf eine ausreichende Eiweißversorgung zu achten, um einem Muskelabbau entgegen zu wirken. Pro Woche wird bei Hunden ein Gewichtsverlust von 1-2% und bei Katzen von 0,5-1% des Körpergewichts empfohlen. 

Füttert der Besitzer Fertignahrung, ist das Verfüttern von kalorienreduzierten und faserreichen Diätfuttermittel mit angepasstem Nährstoffgehalt zur Gewichtsreduktion am einfachsten in der Handhabung. 

Durch den erhöhten Faseranteil verweilt das Futter länger im Verdauungsapparat und bewirkt ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl. Außerdem kann der Vierbeiner größere Mengen des Diätfuttermittel aufnehmen, um satt zu sein. 

Die Empfehlung für eine Tagesration bestimmt der Futtermittelhersteller und ist abhängig, wie viel an Gewicht abgespeckt werden muss. Die Gesamtmenge wird abgewogen und soll am besten über den Tag verteilt in mehreren Rationen verfüttert werden. 

Bereitet der Besitzer die Nahrung selbst zu, ist es wichtig eine bedarfsgerechte Diät mit ausgewogenem Nähr- und Mineralstoffgehalt mittels einer Rationsberechnung für Hunde oder Katzen erstellen zulassen. 

Grundlegend ist bei der Rationsgestaltung für die Gewichtsreduktion darauf zu achten, mageres Fleisch z.B. von Huhn oder Pute und mageren Fisch zu verwenden. Als Proteinquelle kann auch Magerquark anteilig eingerechnet werden. Die Ration wird ergänzt von weich gekochten Reis oder Nudeln und von reichlich Gemüse (keine Bohnen, Erbsen, Mais). Hat der Hund oder die Katze trotzdem immer Hunger, kann Futterzellulose unter das Futter gemischt werden. Eine Mengenempfehlung ist 0,5-1g / kg Körpergewicht / Tag. Die Menge an Zellulose wird unter das Futter gemischt und ist langsam zu steigern, da sich der Verdauungsapparat erst daran gewöhnen muss.

Tierärztin Susanne Scherber Expertin Ernaehrungsberatung bei Hund und KatzeTierärztin und Ernährungsexpertin Susanne Scherber rät dazu, vor allem bei Katzen genau auf die Proteinversorgung zu achten, so dass kein Mangel entsteht. Vor allem Katzen sollen langsam aber kontinuierlich abnehmen, wobei eine langfristige Mangelversorgung zu alimentär bedingten Problemen und zusätztlichem Muskelabbau führen kann.

Von großer Bedeutung ist zudem, alle zusätzlichen Leckerlis in die Tagesration mit einzuberechnen, da das oft die „vergessenen“ Kalorien sind. Eventuell ist es ratsam, die Menge an Leckerlis zu reduzieren oder Leckerlis durch Gemüse, Obst oder Reiswaffeln zu ersetzen.

Jede Diät ist nur von Erfolg gekrönt in Kombination mit BEWEGUNG!

Am besten werden Teile der täglichen Futterrationen in Bewegungsspiele eingebaut. Der Hund kann sich sein Futter in Form eines Suchspiel erarbeiten oder erhält es als Belohnung beim Gassi gehen. Katzen lieben es zum Beispiel dem Futter hinterher zu jagen. Wohnen mehrere Katzen in einem Haushalt, können Futterautomaten gefräßige Katzen davon abhalten, anderen das Futter wegzufressen. 

Prophylaxe

Die frühe Aufklärung des Besitzers steht bei der Vermeidung von Adipositas bei Hunden und Katzen im Vordergrund. Dem Tierhalter muss erklärt werden, was eine bedarfsgerechte und ausgewogene Fütterung enthalten soll und wie sie zu einem aktiven Lebensstil ihres Tieres beitragen können. Um bei adipösen Tieren einen JoJo Effekt zu vermeiden, muss das Körpergewicht der Tiere regelmäßig kontrolliert und in ein Tagebuch eingetragen werden. Nimmt das Körpergewicht zu, wird die Futtermenge wieder angepasst. Ein aktiver Lebensstil hilft dem Tier sein Gewicht zu halten.

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